„Philosophie ist ein liebevoller Umgang mit der Weisheit“ – Dante Alighieri

Nachdem ich letzten Beitrag kurz auf die Weisheit eingegangen bin, soll nun die Fortsetzung folgen. Welche Rolle spielt die Philosophie im Leben? Spielt sie überhaupt eine Rolle? Viele meinen ja, man bräuchte nicht zu philosophieren oder es sei gar Zeitverschwendung. Das hängt natürlich, wie so oft, davon ab was man unter philosophieren versteht. Meiner Meinung nach philosophiert jeder Mensch. Natürlich nicht jeder mit der bewussten Absicht, aber indem man z.B. sagt, dass man keine Philosophie braucht, oder das philosphieren einem nicht liegt, hat man bereits eine, zugegeben schwache, Art Philosophie betrieben.

Gehen wir mal in die Vogelperspektive und gucken auf unser Leben. Jeden Tag wird man mit ganz unterschiedlichen Dingen konfrontiert. Jeden Tag hat man viele Entscheidungen zu treffen. Jeder Tag birgt Möglichkeiten in sich. Immer wieder muss man zwischen Vorteilen und Nachteilen abwiegen. Aber warum stehen wir heute genau an dem Punkt, an dem wir stehen? Es ist im Prinzip ein unglaublich komplexer Weg, den jeder von uns gegangen ist um genau da zu landen wo er gerade steht. Es gäbe nahezu unendlich viele andere Möglichkeiten wie das Leben hätte verlaufen können. Und doch gibt es in der Gegenwart genau diesen einen Punkt wo man gerade steht. Ich denke dass es sehr viel mit Philosophie zu tun hat.

Je mehr Liebe man zur Weisheit hat, desto genauer wird man über die grundsätzlichen Fragen des Lebens nachdenken um möglichst weise mit dem Leben zu verfahren. Dieses Nachdenken über die grundsätzlichen Fragen des Lebens nenn ich jetzt einfach mal „philosophieren“. Diese Beantwortung dieser Fragen ist die Grundlage deines Lebens. Auf dieser Basis wirst du deine Entscheidungen treffen und dein Leben führen. Diese Basis ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich ausgeprägt und auch unterschiedlich fest. Einige können nur schwerlich ihre persönliche Basis formulieren, andere haben eine genaue Vorstellung davon, wieder andere geben an, keine Basis zu besitzen. Es ist hier äußerst ratsam eine selbständige Basis zu entwickeln. Die Gefahr ist groß, vorgefertigte Meinungen zu adaptieren, besonders gefährlich wenn dies unterbewusst passiert. Hat man keine bewusst selbstentwickelte Basis, so schwimmt man einfach mit der Masse mit und kann nicht einmal genau begründen, warum man bestimmte Sachen tut, Dinge kauft, Wörter benutzt, etwas schön findet usw.

Aber wie wirkt sich die Basis auf das gelebte Leben aus? Was davon bleibt wirklich im „realen“ Leben übrig? Was setzt sich durch?

Das gelebte Leben besteht aus einer Aneinanderreihung von Taten. Beispiel für solche Taten sind: lesen, schreiben, staunen, laufen, sitzen, fernsehen, reden, zuhören. Diese Liste lässt sich natürlich nahezu beliebig ausweiten. Jede einzelne Tat passiert aufgrund von Umsetzungen bestimmter Überzeugungen. Bin ich z.B. davon überzeugt, dass ich mindestens 8 Stunden schlafen muss und ich muss morgens früh um 6 Uhr aufstehen, werde ich versuchen um 22 Uhr im Bett zu sein. Bin ich davon überzeugt, sich ordentlich kleiden zu müssen, so werde ich, bevor ich aus dem Haus gehe, mich nochmal im Spiegel betrachten, ob auch alles so sitzt wie es soll. Und jetzt kommt der springende Punkt: Je mehr ich selbst von meiner eigenen Philosophie überzeugt bin, desto stärker sind meine Umsetzungen der Taten von meiner eigenen Philosophie bestimmt. Folgendes Schaubild soll klar machen was ich meine.

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Hierbei sind die Kreise im die einzelnen Taten aus dem sich das gelebte Leben eines jeden zusammensetzt.

Es ist hierbei übrigens noch keine Aussage über die Qualität der eigenen Philosophie gemacht worden. Die Überzeugung von der eigenen Philosophie hängt nicht von der Qualität derselben ab. Es gibt Menschen, die eine hoch entwickelte persönliche Philosophie haben, diese auch gut begründen können, und doch ist davon im gelebten Leben nicht viel zu sehen. Andersherum gibt es Menschen, die eine wenig gut entwickelte persönliche Philosophie haben, davon aber so überzeugt sind, dass es durchschlägt auf das gelebte Leben. Am besten ist meiner Meinung nach eine gute Philosophie, von der man auch überzeugt ist, die aber ein Leben lang überarbeitet wird.

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