Die Meinungen über das „Nichts“ gehen sehr weit auseinander. Es herrscht Uneinigkeit sowohl in der Definition als auch in der Bedeutung dieses Begriffs.

Einige Menschen glauben nach dem Tod würde das Nichts kommen, andere wiederum lehnen das entschieden ab.

Wie kann man sich das Nichts überhaupt vorstellen? Kann es das Nichts überhaupt geben? Es tritt bereits in der Formulierung dieser Fragestellung die erste Schwierigkeit auf. Wenn man fragt „gibt es das Nichts?“, heißt es so viel wie „Existiert das Nichts?“. Aber ist das Nichts nicht gerade die Abwesenheit aller Existenz? Wenn also das Nichts existiert, kann es das Nichts doch gar nicht geben, weil es nämlich etwas gibt, was existiert, das Nichts.

Trotz allem will ich mich daran versuchen, etwas Klarheit in den Nebel zu bringen. Als erstes möchte ich mir die Freiheit herausnehmen, dem Nichts das Seiende abzuerkennen. Wenn ich also im Folgenden von dem Nichts spreche, möchte ich das Wort zunächst als eine abstrakte Stütze meiner Überlegungen heranziehen, ohne mir darunter ein seiendes Objekt vorzustellen.

Ich möchte uns im Folgenden einen Weg beschreiben, um sich das Nichts vorzustellen. Im Wesentlichen sind es drei Etappen, die zu gehen sind. Die erste ist die Negation von allem was ist. Mache die Augen zu und negiere alles was dir einfällt. Den Schrank, das Bett, den Stuhl, den Boden, das Haus, die Straße, die Luft, die Erde, die Sterne, usw. Was bleibt übrig? Hier könnten die ersten bereits geneigt sein, zu sagen, es sei das Nichts, was übrig bleibt. Ich möchte hier aber noch etwas tiefer gehen und sagen, dass es lediglich die Abwesenheit der Existenz aller in irgendeiner Form denkbaren Objekte ist. Es gibt neben den Objekten noch andere Dinge, z.B. die Worte, Gedanken, Sprache, Konzepte wie Gutes und Böses aber auch Emotionen, wie Liebe, Hass oder Trauer. Versuche also auch das wegzudenken.

Die nächste Etappe liegt im Wegdenken des Raumes. Je nachdem wie du dir einen Raum vorstellst, hast du diese Etappe aber möglicherweise schon hinter dir.

Es kommt jetzt also zur Frage der Beschaffenheit des Raumes. Ist der Raum an sich so etwas wie ein Behälter für alles Existierende oder schaffen sich die existierenden Dinge ihren Raum selbst? Falls du vom letzteren überzeugt bist, bist du an der Stelle fertig und kannst zur nächsten Etappe springen, weil mit den weggedachten existierenden Dingen, auch der Raum an sich verschwunden ist. Stellst du dir den Raum aber als Voraussetzung für die existierenden Dinge vor, also ein Behälter in dem alles existierende drin ist, so musst du diesen Raum noch wegdenken.

An der Stelle sind wir bis zu einer Definition des Nichts vorgedrungen, die auf den Physiker Alex Vilenkin zurückgeht: „eine geschlossene Raumzeitkugel mit dem Radius null“.

Jetzt kommt der schwierigste Teil, die letzte Etappe. Jetzt gibt es nur noch deine Vorstellung vom Nichts und das Nichts. Als nächstes musst du also auch noch die Vorstellung, die du gerade in deinem Kopf hast, auch noch löschen.

An diesem Punkt überfällt mich regelmäßig ein leichter Schauer. Das Nichts kann ziemlich beängstigend sein. Das ist irgendwie paradox, da das Nichts doch nichts ist.

Selbst wenn es das Nichts geben würde, gäbe es niemanden der es verifizieren könnte, es gäbe kein Bewusstsein des Nichts.

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